Wenn Björn Schmitz den Zuschauern auf der Landesgartenschau in Hemer die historische Uniformknopfproduktion aus Lüdenscheid vorführen kann, dann ist er in seinem Element. „Das Zusammenführen der vorgefertigten Knopfunter- mit einer Knopfoberschale nennt der Fachmann ‚Bördeln’“, erklärt der 21jährige Student für Bio- und Nanotechnologien an der Fachhochschule Südwestfalen und dreht kraftvoll den Eisenhebel der handbetriebenen Maschine nach unten. Die vorher eingelegten Schalen sind durch Umformen an den Rändern nun fest miteinander verbunden. Die Kinder um ihn herum nehmen mit Freude die goldglänzenden Knöpfe entgegen. Genau 898 interessierte Besucher habe er heute, am Samstag, gezählt, sagt Schmitz nicht ohne Stolz. Dafür schmerze ihn jetzt sein rechter Arm.
Eine kleine Produktionsstätte auf der Landesgartenschau? Warum eigentlich nicht? Landesgartenschauen moderner Prägung sind längst nicht mehr nur Orte für Pflanzenliebhaber, Gartenfreaks und Frischluftfanatiker. Sie dienen ebenso dazu, regionalpolitische Ziele zu verwirklichen und kulturelle Akzente zu setzen. Den Blick auf die Geschichte der Industrie in Südwestfalen inszeniert der Hagener Verein WasserEisenLand, das Netzwerk aus regionalen Partnern von Technikmuseen, Denkmalbetreibern, Heimatvereinen, Kommunen und Wirtschaftsorganisationen, darunter auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer Hagen. An zwei Standorten auf dem Gelände – am Haupteingang auf freier Fläche und in einem Pavillon unmittelbar vor dem Felsenmeer im Park der Sinne – gewinnt der Besucher in anschaulicher Weise Eindrücke von wichtigen Abschnitten der südwestfälischen Industriegeschichte.
Pavillon für die Industriekultur
Gleich neben dem Kassenhäuschen am Eingang Stadt stoßen die Gäste auf einen flachen Güterwaggon vom Ende des 19. Jahrhunderts, den die Märkische Museums-Eisenbahn (Plettenberg) zur Verfügung gestellt hat. Der authentisch restaurierte Waggon dient als Anschauungsobjekt für den früheren Transport von Industriegütern und zugleich als Bühne für eine Bandstahl-Skulptur aus warmgewalztem Mittelband. Dieses Exponat, eine Leihgabe der Hoesch Hohenlimburg GmbH an den Verein, ist das Ergebnis eines Projekts des Altenaer Künstlers Lutz Bernsau in Zusammenarbeit mit Auszubildenden von Hoesch.
Im Pavillon „Naturerlebnisstation“ zeigt der Verein WasserEisenLand in einer Ton-Bild-Schau die Entwicklung von den Anfängen der Metallerzeugung bis zu modernen Produktionsverfahren der Gegenwart. Ausgewählte Artikel aus heimischer Fertigung veranschaulichen zusätzlich die Bandbreite der Zulieferindustrie in Südwestfalen. An Wochenenden gibt es vor dem Gebäude verschiedene Vorführungen von Partnerinstitutionen. So zeigt die Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf (Iserlohn) die Nadelproduktion auf zwei hundert Jahre alten Maschinen. Weitere Aktionen werden das Schmieden von Garderobenhaken sein, das Biegen von Draht zu Schmuckartikeln, das Pressen von Bakelituntersetzern und die Demonstration der Funktionsweise von Dampfmaschinen sein. Das Programm ist bevorzugt auf das jüngere Publikum zugeschnitten, dem technisch-physikalische Vorgänge, aber auch manches Kulturgeschichtliches, hier begegnen wird.
Herausragendes Industriedenkmal Felsenmeer
Der gewerblichen Vergangenheit eine Zukunft zu bewahren, ist die Aufgabe von WasserEisenLand. Konkret geht es vor allem darum, möglichst viele der historischen Bauwerke sowie Technik-Museen in der Region in enger Kooperation mit den Eigentümern bzw. Betreibern als attraktive touristische Ziele zu erschließen und auszubauen. Das Netzwerk WasserEisenLand verhilft der interessierten Öffentlichkeit zu einer faszinierenden Zeitreise vom frühen handwerklichen Mittelalter bis zur Hochindustrialisierung der Jetztzeit.
Die Naturerlebnisstation dient auch den Mitgliedern der Speläo-Gruppe Sauerland e. V. (Höhlenforscher) aus Hemer als Präsentationsstätte, die seit vielen Jahren Forschungen im benachbarten Felsenmeer betreiben. Längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich bei dem Gebilde nicht etwa um ein Naturdenkmal handelt, das durch Höhleneinstürze entstanden ist. Vielmehr ist die Felsformation ein montantechnisches Denkmal, ein mittelalterlicher Tage- und Tiefbau von Eisenerz. Der etwa 900 Jahre währende Bergbau an dieser Stelle war für das örtliche wie auch das regionale Gewerbe höchst bedeutsam und ein Motor der gewerblichen Entwicklung.
Ein besonderes Anliegen des Vereins WasserEisenLand ist es, daran mitzuwirken, der Region Südwestfalen ein unverwechselbares Profil zu verleihen und den dort lebenden Menschen die Industriegeschichte als verbindendes Erkennungsmerkmal für die südwestfälische Identität zu vermitteln. Das Einzugsgebiet des Vereins erstreckt sich aber nicht nur auf die fünf südwestfälischen Landkreise Hochsauerland, Soest, Siegen-Wittgenstein, Olpe und Märkischer Kreis, sondern bezieht – und zwar seit der Vereinsgründung 1996 - den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Stadt Hagen in das WasserEisenLand mit ein. Damit wird grenzüberschreitend den gemeinsamen wirtschaftsgeschichtlichen Wurzeln Rechnung getragen.
Nähere Informationen über die Aktivitäten von WasserEisenLand unter 02331/390-272 oder unter der Webadresse www.wassereisenland.de.
10. September 2010
















TERMINVORSCHAU
Ausstellung Streuobstwiesen
Beginn: ganztägig
Ort: Treffpunkt Landwirtschaft

Verband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau NRW e.V.
Beginn: 14:00 Uhr
Ort: Landschaftsgärtner-Treff/Stadtterrassen

Ausstellung Streuobstwiesen
Beginn: ganztägig
Ort: Treffpunkt Landwirtschaft
Tag der Schützen
Beginn: 12.00 Uhr
Ort: Cafe Flora

Ausstellung Streuobstwiesen
Beginn: ganztägig
Ort: Treffpunkt Landwirtschaft

Verband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau NRW e.V.
Beginn: 14:00 Uhr
Ort: Landschaftsgärtner-Treff/Stadtterrassen
















